THE BAND OF HEATHENS & KELLEY MICKWEE feat. COLIN BROOKS & JOHN CHIPMAN Freitag, 19. Mai 2017

Exclusives Doppelkonzert der beiden Hochkaräter aus Texas!
Nur bei uns in der Blues Garage!

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KELLEY MICKWEE
FEAT. COLIN BROOKS & JOHN CHIPMAN! (beide ex Band Of Heathens)
  http://www.kelleymickwee.com/

Es ist nicht schwierig, You Used To Live Here als das Album zu verstehen, für das Kelley Mickwee geboren wurde. Nachdem sie über ein Jahrzehnt lang ihr musikalisches Können verfeinert hat – zunächst im Folkduo Jed & Kelley, später in der All-Girl-Band The Trishas -, veröffentlicht Mickwee nun ihr Solodebüt, das klingt wie das Statement-Album eines erfahrenen Künstlers, bei dem nun alles zusammen passt. Mickwee überrascht mit dem Geständnis, dass das Album weniger aus Überzeugung und Mut entstand, sondern aus einer Art Panik.

“Es ist furchteinflößend, von Null zu beginnen, aber es war nötig”, erklärt die Songwriterin. Ende 2013 entschieden sich die Trishas nach fünf Jahren als einer der viel versprechendsten Acts der Americana-Szene eine (zunächst unbegrenzte) Pause einzulegen. Mickwee fragte sich, was sie nun tun könne. Die Vorstellung, als Solokünstler noch einmal von vorn zu beginnen, war weniger ein Wunsch als eine Notwendigkeit. „Mir wurde klar, dass ich im Grunde arbeitslos sein würde. Es war an der Zeit, für mich selbst zu sorgen.“

In Wirklichkeit war Mickwee schon immer recht selbstständig und organisiert – ihr bandinterner Spitzname “Finance Trish” bei den Trishas kam nicht von ungefähr. Ihre do-it-yourself-Einstellung (und ihr Abschluss in Marketing von der Universität Memphis) waren schon bei den Trishas und in ihrer siebenjährigen Karriere mit Jed & Kelley äußerst hilfreich. Und natürlich hat sie schon längst bewiesen, dass sie auch eine tolle Sängerin ist (sie nahm Gesangsunterricht seit sie sieben war, weil ihre damalige Klavierlehrerin sagte, sie könnte eine große Sängerin werden). Nachdem sich Jed & Kelley getrennt hatten und Mickwee nach Texas gezogen war, sang sie auf der Bühne eine zeitlang mit Kevin Welch. Außerdem waren ihre temperamentvolle Stimme und ihr Südstaaten-Akzent ein essenzieller Bestandteil des für die Trishas charaktistischen, himmlischen Chorgesangs. Außerdem spielte sie in der Band Gitarre und Mandoline und etablierte sich als Songschreiberin, die an sieben Songs des 2012er-Albums High, Wide And Handsome beteiligt war.


Wenn man bedenkt, dass die Trishas ursprünglich nur für einen einmaligen Auftritt bei einem Kevin-Welch-Tributkonzert zusammenkamen, ist es äußerst passend, dass ausgerechnet ein Song, den Kelley später mit Kevin Welch geschrieben hat – die Gospel-/Soulnummer “River Girl” – eine Schlüsselrolle für den Sound ihres Solodebüts spielt. „Ich sah mir die Doku über die Musik an, die aus Muscle Shoals kommt und darin kam mehrfach der Begriff ‚river people’ vor, über Menschen, die in der Nähe eines großen Flusses aufgewachsen sind.“ Mickwee, geboren in Memphis, konnte sich damit natürlich identifizieren. „Das brachte mich auf die Idee etwas zu schreiben, das so nah wie möglich an Aretha Franklin herankommt. Natürlich werde ich nie so cool sein wie sie, aber ich fing an, den Song zu schreiben und Kevin half mir dabei, ihn zu Ende zu bringen. Ich wusste, er war der Richtige dafür.“


Mickwees Wunsch, nahe an Arethas Sound und den Geist dieses Songs heranzukommen, war entscheidend dafür, das Album zuhause in Memphis aufzunehmen. So sehr sie auch ihren Wohnort Austin und die dortige Musikszene schätzen gelernt hatte, wusste sie doch,  dass sie den Sound, den sie in ihrem Kopf hörte, nur mithilfe der Musiker aus Memphis erreichen konnte, denen sie während ihrer gesamten Schul- und Studienzeit zugehört hatte.

„Sie spielen einfach auf eine spezielle Art und Weise. Das ist ein Sound, den niemand in Austin so hinkriegt“, sagt sie. „Ich weiß nicht, woran es liegt. All diese Typen wuchsen in verschiedenen Bands auf – die Jungs aus Memphis spielen sehr entspannt, sehr loose. Und ich wollte, dass es genau so klingt. Toningenieur Kevin Cubbins ist einer der besten in Memphis. Früher spielte er in einigen Bands, die ich mir ständig angehört habe. Alle diese Typen kenne ich, seit ich zum ersten Mal auf einer Bühne gesungen habe. Mir war klar, dass ich mich mit ihnen wohl fühlen würde.“

Mickwee (akustische Gitarre, Mandoline) und ihre Traumband bestehend aus (fast ausnahmslos) Musikern aus Memphis – mit ihrem Ehemann, Orgelspieler und Gitarrist Tim Regan, Pedal-Steel-Gitarrist Eric Lewis, Drummer Paul Taylor und Bassist Mark Edgar Stuart – nahmen die sieben Songs des Albums in eineinhalb Tagen live auf, im Wohnzimmer einer Villa, die früher dem Bürgerkriegs-Historiker Shelby Fotte, Autor von Shiloh, gehörte. „Das Haus ist alt und seltsam und etwas heruntergekommen, aber das dortige Studio beherbergt all diese tollen klassischen Instrumente und Gerätschaften“, sagt Mickwee. „Das war schon abgefahren. Dort aufzunehmen, war eine tolle Erfahrung.“


Toll sind auch die Songs. Die Memphis-Atmosphäre – organisch und voller Soul – ist unverkennbar. Das Album wurzelt in Americana und einer staubigeren, groovigeren Nebenstraße des Songwriter-Genres. Jeder der sieben Songs zeigt einen anderen Aspekt von Mickwees stilistischer Reichweite. „Wenn man mit anderen Leuten schreibt, bringt jeder seine Persönlichkeit ein, deshalb unterscheiden sich die Songs“, sagt Mickwee. „Der Song, den ich mit Kevin geschrieben habe, ist anders, als der, den ich mit Owen Temple geschrieben habe (das wunderschöne Liebeslied „Beautiful Accidents“). Und mit Johnny Burke kam eine sexy Nummer raus („Hotel Jackson“ mit der Textzeile „You look like something I want to eat.“).“


Die anderen Eigenkompositionen schrieb Mickwee mit Phoebe Hunt (“Take Me Home”) und ihrem alten Freund/Vorbild Jimmy Davis (“You Used To Live Here”). „Jimmy zeigte mir, wie man auf der Bühne performt und singt“, sagt sie. „Ich hab ihn mir live angesehen, seit ich 16 war und mit einem gefälschten Ausweis in die Bars von Memphis zu den Konzerten seiner Band Riverbluff Clan reinkam.“ Heutzutage spielt Davis mit Walt Wilkins and the Mystiqueros.


Ihre kluge Auswahl von Coversongs – “Blameless” von John Fullbright und “Dark Side Of Town” von Eliza Gilkyson – verrät viel über Mickwee. “Wenn ich irgendjemandem nacheifern könnte, dann Linda Ronstadt, weil sie zuerst Performerin und Sängerin war“, so Mickwee. „Nicht nur, dass sie eine herausragende Sängerin war, sie war auch klug genug zu wissen ,Ja, ich kann Songs schreiben. Aber ich habe eine Reihe von Freunden, die ganz großartige Songschreiber sind.’ Es war ihr nicht wichtig zu beweisen, dass sie Songs schreiben konnte. Sie wollte einfach nur die besten Songs singen und aufnehmen. Es ist schade, dass wir so jemanden heutzutage nicht mehr in unserem Genre (Americana) finden.“


Den umwerfenden Versionen der Fullbright- und Gilkyson-Songs nach zu urteilen, könnte Kelley Mickwee die Künstlerin sein, die diese Lücke füllt. Für den Moment aber ist es mehr als genug, dass sie in You Used To Love Here ihr eigenes Potenzial voll ausschöpft. Nennt es „Mickwee in Memphis“, nennt es wie Ihr wollt, es ist der Sound einer Künstlerin, die sich selbst aus einer Not heraus neu definiert hat und dabei die beste Musik ihrer bisherigen Karriere geschaffen hat.

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THE BAND OF HEATHENS  www.bandofheathens.com

duende – [duen-de] (Substantiv) 1. eine spezielle Art der Inspiration und Leidenschaft 2. ein Zustand von gesteigerter Emotion und Ausdrucksfähigkeit 3. ein Geist

Duende, das fünfte Studioalbum der Band Of Heathens (ihr insgesamt achtes Album), erscheint zum zehnjährigen Bestehen der Band. Der Titel passt zum Thema des Albums, das sich mit der Suche nach Verbundenheit und Gemeinschaft in der von Technologie dominierten, zunehmend zersplitterten, abgelenkten und vereinsamten Gesellschaft befasst. Ed Jurdi, Gründungsmitglied der Band, lernte das Wort “duende” als Erster kennen. Er erklärt: „Der Begriff beschreibt die Essenz des Künstlers.“ Sein Kollege Gordy Quist ergänzt: „Es gibt im Englischen keine Entsprechung für ,duende‘. Es beschreibt das, was diese Band am besten kann und was wir immer als künstlerisches Ziel vor Augen haben.“


Das Album wird diesen hochgesteckten Idealen gerecht; es ist ein stilistisch abwechslungsreiches Werk, eine Weiterentwicklung  nach dem introspektiven, akustischen Sunday Morning Record von 2013. Die eklektische Songsammlung zeigt, wo die Band Of Heathens schon war und – wichtiger noch – wo es sie hinzieht.


Das Album enthält kräftige Rocker wie “Trouble Came Early” mit seinen Keith Richards-/Chuck Berry-Gitarren und Barrelhouse Piano oder den Grateful-Dead-meets-J.J. Cale-Boogie von “Keys To The Kingdom” sowie New Riders-inspirierten Country Twang in “Green Grass Of California”, eine Ode an die Cannabispflanze und deren Legalisierung.

Duende wendet sich auch einigen der Lieblingsthemen der Band Of Heathens zu, von den Entbehrungen des Lebens “on the road” (“All I’m Asking”) über die Grenzen des Materialismus (“Keys To The Kingdom”) und (Über-)Beschäftigung mit sozialen Medien (“Cracking The Code”) zu einer bewegenden Beschreibung mexikanischer Immigration in Zeiten zunehmender Diskriminierung (“Road Dust Wheels”).


Quists “Cracking The Code” unterstreicht das Thema des Albums, Beziehungen und Werte in einer Welt der virtuellen Realität und sozialen Medien. „Die moderne Technologie erlaubt es uns, auch über große Distanzen hinweg in Kontakt zu bleiben – was für eine tourende Band sehr wichtig ist –, aber das ist natürlich nicht eine wirklich authentische Verbindung, wie wir sie uns alle wünschen“, erklärt Gordy. „Wir haben ein Portal erschaffen, in dem wir uns verlieren können, dabei verpassen wir aber, was direkt vor unseren Augen passiert. In unserer angeblich so verbundenen Gesellschaft kann es sehr einsam werden.“

“Ich habe das Gefühl, dass das Album all unsere Einflüsse und alles, was wir in den Jahren der Band getan haben, zusammen bringt“, sagt Jurdi. „Jeder Aspekt unserer Karriere ist eingeflossen … unsere Wurzeln, nachdenkliche Singer-Songwriter-Sachen, Vollgas-Rock‘n’Roll, das gehört alles zu uns. Nach zehn Jahren spornt uns all dies weiter an.”


Toningenieur und Co-Produzent Jim Vollentine (Spoon, White Rabbits, … And You’ll Know Us by the Trail of Dead) hat dazu beigetragen, dass dieses vielfältige Album wie eine Einheit klingt und außergewöhnliche Nuancen wie Mellotron und Drum-Maschinen zum Rockabilly von “All I’m Asking” hinzugefügt.


Der Begriff “Americana” wurde im Grunde genommen für Acts wie die Band Of Heathens eingeführt. Während die Einflüsse der Rolling Stones und Beatles auf Songs wie „Sugar Queen“ und „Deep Is Love“ zu hören sind, fließen auch Sly & The Family Stone (in den psychedelischen Sound von “Daddy Longlegs”) und Latin Music (“Road Dust Wheels”) ein. Auch Literatur hat die Songschreiber inspiriert, sei es eine Figur in Sylvia Plaths The Bell Jar, die in „Sugar Queen“ auftaucht („She even talks dirty/When she’s on her knees to pray”) oder Tom Standages A History Of The World In Six Glasses, das aufzeigt, wie Bier, Wein, Alkohol, Kaffee, Tee und Coca-Cola die Kultur und Gesellschaft geprägt haben (“Trouble Camje Early”).

Duende präsentiert alle Stärken der Band Of Heathens und ist ohne Entschuldigung als Vinylalbum mit zehn Songs auf zwei Seiten konzipiert. Das Ergebnis ist absolut überzeugend – duende.

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