MATTHEWS SOUTHERN COMFORT Samstag, 3. März 2018

MATTHEWS SOUTHERN COMFORT„Like A Radio“

Iain Matthews ist ein umtriebiger Mensch, fast ständig in Bewegung, Stillstand ist für ihn ein Fremdwort. Er redet nicht lange, er packt die Dinge lieber an und setzt sie um, so wie er es für richtig hält. Ein Mann der Taten und nicht nur der Worte.

Vor knapp 1 1/2 Jahren veröffentlichte Iain seinen „Rockpalast“ – Auftritt vom Jahr 1983 aus der Hamburger Markthalle, ein paar Monate später folgte der Rerelease seines Konzeptalbums „Walking A Changing Line“ mit einem Liederzyklus des amerikanischen Songwriters Jules Shear. Hierzu stellte er aus seinen Archiven eine Bonus-CD mit zusätzlichen 21 Alternativ-, Live- oder Demoversionen der Albumtitel zusammen.

Im Sommer 2017 traf sich Iain Matthews mit all den alten Freunden, mit denen 50 Jahre zuvor alles für ihn begonnen hatte. FAIRPORT CONVENTION feierten ihr Jubiläum, und das vor 25.000 begeisterten Fans auf dem Fairport’s Cropredy Convention ganz in der Nähe des altehrwürdigen Oxfordshire. Zusammen mit Richard Thompson, Simon Nicol, Ashley Hutchings und Judy Dyble betätigte Iain die musikalische Zeitmaschine und führte das Publikum zurück zu den Anfängen der britischen Folkrock-Bewegung Ende der 1960-er Jahre.

Natürlich ließ es sich Iain nicht nehmen, mit seinem weiteren Bandprojekt PLAINSONG ebenfalls auf dem Cropredy Festival aufzutreten. Doch wo sollte die Reise in die Vergangenheit enden, wenn es da nicht noch ein Thema geben würde, was förmlich nach einer Fortsetzung schreit und ihn zwangsläufig zurück in die Gegenwart katapultieren würde? Jeder geneigte Matthews-Fan sollte jetzt wissen, um welches Bandprojekt es hier geht: um MATTHEWS SOUTHERN COMFORT natürlich.

Iain Matthews hatte FAIRPORT CONVENTION 1969 verlassen, noch während der Aufnahmen zum Album „Unhalfbricking“. Trotzdem wirkten auf dem ersten MATTHEWS‘ SOUTHERN COMFORT – Album mit Richard Thompson, Gerry Conway, Ashley Hutchings und Simon Nicol fast die komplette FAIRPORT CONVENTION Crew mit, unterstützt durch den Pedal Steel Gitarristen Gordon Huntley.

Noch vor Weihnachten 1969 veröffentlichte MSC mit „Colorado Springs Eternal“ die erste Single. 1970 überflutete die Band mit drei Albumveröffentlichungen den Markt! Neben dem bereits oben erwähnten Debut „Matthews‘ Southern Comfort“ folgten noch die Alben „Second Spring“ und „Later That Same Year“. Mit dem Bassisten Andy Leigh, den beiden Gitarristen Mark Griffiths und Carl Barnwell sowie Schlagzeuger Ray Duffy hatte sich jetzt neben Matthews und Huntley eine Art von Stammbesetzung gebildet. Von den Fans liebevoll MSC genannt, galt die Band bald als englische Antwort von Crosby, Stills, Nash & Young. Und so coverten MSC auf „Later That Same Year“ auch Neil Youngs „Tell My Why“ aus seinem „After The Goldrush“ – Album und während C,S,N & Y ihren größten Singlehit mit einer elektrischen Coverversion von Joni Mitchells „Woodstock“ feierten, machten MSC mit ihrer akustischen, von der Stimme Matthews und der Pedal Steel Gitarre von Huntley getragenen Version diesen Song zur Hymne der Gegenkultur und der Protestbewegungen Anfang der 1970-er Jahre. Vier Wochen lang standen MSC im November/Dezember 1970 mit „Woodstock“ auf Platz 1 der britischen Single-Charts. Trotz dieser gerade erlangten, weltweiten Popularität trennte sich Iain Matthews ein weiteres Mal von seinen Mitstreitern, um musikalisch neue Wege zu gehen. Während MSC das Matthews aus ihrem Namenszug strichen und fortan als SOUTHERN COMFORT weitermachen sollten, unterschrieb Iain Matthews einen Vertrag bei Mercury und startete mit „ If You Saw Thro’ My Eyes“ seine beachtliche Solo-Karriere.

Der Rest ist Geschichte.

Bis zum Sommer dieses Jahres. Denn da fiel Iain Matthews ein, dass er das Kapitel von
MATTHEWS SOUTHERN COMFORT seinerzeit zwar aufgeschlagen und angefangen hatte, aber nie beendet hatte.    

Nach der Zwischenstation mit dem Album „A Kind Of New“ im Jahr 2010 möchte Iain Matthews mit der neuen Formation von MSC dort ansetzen, wo er im Spätherbst 1970 aufgehört hatte. Er will den musikalischen Bogen spannen zu dieser Zeit, aber mit der ganzen gesammelten Erfahrung aus mehr als 45 weiteren Jahren im bewegten Musicbusiness. So verzichtete Iain Matthews darauf, seine alten Bandkollegen zusammen zu rufen und zu einer Reunion zu bewegen. Nein, lieber suchte er sich neue, „unverbrauchte“ Musiker und formierte die Band ganz neu. MATTHEWS SOUTHERN COMFORT 2018 sollte frisch und modern klingen, aber auch gleichzeitig musikalisch den Bogen zu der Vergangenheit der Band spannen.

Da Iain Matthews schon seit mehreren Jahren seinen Lebensmittelpunkt in das beschauliche niederländische Städtchen Horst unweit von Venlo verlegt hatte, suchte er sich für den neuen Anlauf mit MSC versierte Kollegen aus der „Nachbarschaft“. Mit dem bekannten Multi-Instrumentalisten, Songwriter und Produzenten Bart Jan Baartmans, dem Keyboarder Bart de Win sowie dem Songschreiber und Gitarristen Eric De Vries fand Iain kongeniale Partner. Das Konzept geht auf – das musikalische Können und das Engagement sowie die ungebremste Spielfreude suchen ihresgleichen und die mehrstimmigen, dahingleitenden Vokalharmonien erinnern sofort an die 60er/70er-Jahre-Version der Band. Diese neue Formation steht ganz im Sinne von Iain Matthews für die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft von MSC, da es den Musikern auf fast unnachahmliche Weise gelungen ist, musikalisch diese Brücken zu schlagen. So verwundert es auch nicht, dass sich auf der neuen Produktion gleich drei Titel befinden, die MSC vor nahezu 48 Jahren zu ihrer Hochphase auf den Alben „Second Spring“ und „Later That Same Year“ veröffentlicht hatten: „D’Arcy Farrow“, James Taylors „Something In The Way She Moves“ und „To Love“.

Das neue MATTHEWS SOUTHERN COMFORT Album „Like A Radio“ kommt mit diesen drei bekannten Titeln sowie zwölf neuen Songs, wobei der leicht Americana-angehauchte Track „Bits And Pieces“ als erste Single ausgekoppelt wird.

Mit der Neuauflage von MSC holt sich Iain Matthews ein Stück seiner eigenen Vergangenheit zurück und bringt sie in das Hier und Jetzt. Aber vielleicht hat es ja die Zeit gebraucht, bis Matthews so weit war, mit MSC seine musikalische Reise fortzusetzen. Und vielleicht brauchte es ja die Reife und all die Erfahrung, um mit „Like A Radio“ ein Meisterwerk zu schaffen. Nun ist halt iain Matthews nicht mehr der jüngste und viele nehmen bei solchen Anlässen oft den Begriff „Alterswerk“ in den Mund. Aber davon sind wir hier wohl sehr weit entfernt. „Like A Radio“ klingt viel mehr nach einem bewegenden Statement für einen unaufhaltsamen Neubeginn von MATTHEWS SOUTHERN COMFORT.        

 

Doors: 19 Uhr
Showtime: 21 Uhr

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